Don’t try. Do it right!

So haben wir das noch nie gemacht. Wieso soll der Change Prozess so lange dauern? Was rechtfertigt den planerischen Aufwand? Es geht doch sicher mit weniger Zeit, weniger Aufwand, weniger Kosten und weniger Menschen, oder?

Über 20 Jahre Beratungsarbeit haben mir gezeigt, dass immer wieder diese oder ähnliche Fragen gestellt werden, bevor deutlich wird, dass ein akzeptierter und langfristig tragfähiger Change Prozess seine Konzeptions- Durchführungs- und vor allem Umsetzungszeit braucht.

So ist zu erkennen, dass Unternehmen, die mehrfach erfolgreiche Change Prozesse durchgeführt haben, bei ihrem Change Management an folgende 10 Dinge dachten.

1. Ohne Sinn und Verstand: Wo sind Nutzen und Grund für den Change Prozess?

Was ist der wahre Grund für den Change Prozess? Was rechtfertigt, dass sich Menschen, Systeme, Vorgehen oder auch Strukturen verändern? Wie erklärt sich Aufwand, Verwirrung, Ungeduld, Unsicherheit über einen längeren Zeitraum?

Dafür muss ein wirklicher Grund her. Dieser Grund muss fundiert, nachweisbar und realistisch sein. Verstehen Menschen Hintergrund und Absicht einer Veränderung, sind sie schneller im Boot. Andersrum verliert langfristig der Change Prozess seine Akzeptanz und die Führung häufig an Respekt.

Darüber hinaus müssen Mitarbeiter verstehen, was der Nutzen des Change Prozesses ist, für das Unternehmen, ihre Abteilung, aber vor allem für sie selber ist. Jeder Mitarbeiter, ob in der Produktion oder im Top-Management, braucht einen individuellen Antrieb, um sich mit Mehraufwand und erhöhter Unsicherheit aktiv im Change Prozess zu beteiligen und auch dahinter zu stehen. Keiner möchte unnötig Zeit und verschenken und unerfüllte Hoffnungen haben.

2. Ohne Legitimation kein Change Prozess: Das Top-Management

Zu leicht glaubt man, an Veränderungen vorbei schlittern zu können. Warum Mehraufwand auf sich nehmen, wenn in absehbarer Zeit der Wind wieder aus einer anderen Richtung weht. Wenngleich so vielleicht die Erfahrung ist.

Daher braucht jeder Change Prozess eine Legitimation von höchster Ebene. Ist das gesamte Unternehmen von den Änderungen betroffen, legitimiert die Unternehmensleitung. Ist eine Abteilung betroffen, dann der Abteilungsleitung. Erst wenn unmissverständlich klar ist, dass die höchste Führungsebene diesen Change Prozess unbedingt vorantreiben möchte, gehen auch die Mitarbeiter mit. Stimmigkeit in Wort und Tat will gesehen werden.

3. Verloren im Geflecht der Informationen: Die Stakeholder und ihr höchstes Gut

Sind beim Start in den Change Prozess wirklich alle Informationen berücksichtigt? Alle Erfahrungen, Zweifel, Perspektiven bedacht? Oder fehlen doch noch fundierte und relevante Aspekte, um eine realistische Ausrichtung für den Change Prozess zu treffen?

Die Komplexität von Change Prozessen in Großunternehmen erfordert die Sichtweise aller Stakeholder. Alle Kompetenzen, Informationen, Erfahrungen, Zweifel, Zielkollisionen und Bedürfnisse müssen in den Change Prozess einfließen. Auch verändernde Rahmenbedingungen und plötzliche Neuentwicklung müssen transparent und zeitnah in den Prozess gelangen. Nur so können machbare und akzeptierte Ergebnisse erzielt werden. Aus diesem Grund müssen die Stakeholder nicht nur zu Beginn, sondern zu jederzeit des Change Prozesses eingebunden werden.

4. Misstrauen oder Vertrauen? Die Vergangenheit im Change Prozess

Wie verliefen Change Prozesse in der Vergangenheit? Wo gab es Fehler? Was lief gut? Wo liegt der größte Widerstand? Wo genau liegt die Angst? Wo liegt der Schmerz, fragt der Change Manager. Vergangene Prozesse, ob erfolgreich oder weniger, sind eine wertvolle Ressource für das Change Management. Zum einen liefert die Vergangenheit Hintergrundinformationen über Dinge, die gut liefen, sodass sie wiederholt werden können. Zum anderen weist sie darauf hin, was im anstehenden Change Prozess noch zu klären ist. Durch die Vergangenheit werden Hürden, Risiken und Ängste im jetzigen Change Prozess deutlich. Sie macht deutlich, wo die Menschen sensibel, zurückhaltend oder sogar abweisend sind.

Die Vergangenheit berücksichtigt, führt zur Beruhigung der Belegschaft, da gezeigt wird, dass es bei dem anstehenden Change Prozess wirklich um Klärung und langfristiger Verbesserung geht.

5. Beteiligung der Betroffenen aus Alibi: Der Schnelle Plums ins Klo

Jeder Mensch möchte wichtig sein. Jeder Mensch möchte gebraucht werden. Ob Führungskraft oder Mitarbeiter und egal in welchem Glied der Wertschöpfungskette. Sich wichtig und gebraucht zu fühlen – und auch tatsächlich zu sein – geschieht durch die Beteiligung im Change Prozess. Siehe auch Punkt 3. Doch nur gefragt zu werden, Antworten und Lösungen zu entwickeln, reicht dazu nicht aus. Menschen möchten sehen, dass ihr Input einen Nutzen hat, er in ein Gesamtergebnis einfliesst und bedeutsam für die Entwicklung des Unternehmens ist.

Daher muss für alle Beteiligten sichtbar sein, wie die Ergebnisse genutzt wurden und zu welcher positiven Veränderung sie geführt haben. Eine Herausforderung für Dokumentation, Daten Management und Kommunikation.

6. „Keine Ahnung, was gerade passiert“: Kommunikation – die Basis

Sie nervt. Sie ist anstrengend. Man muss sich ständig um sie kümmern. Überall liegen Fallen und sie führt nicht zum messbaren Gewinn. Die Kommunikation. Doch wer nicht weiß, was passiert, was er davon hat, was auf ihn zukommt oder auch, wie er mitmachen kann (oder kontrollieren), ist verunsichert. Der stellt sich stumm. Zieht sich zurück. Verliert das Vertrauen in den Change Prozess und die Führung und redet womöglich schlecht über den Prozess. Kein Prozess kann sich so viel Widerstand leisten. Insofern braucht es eine konstante und zielgruppengerechte Kommunikation. Sie zieht sich durch den gesamten Change Prozess. Jeder kann sich darauf verlassen. Sie erreicht einen schnell. Bietet die notwendigen Informationen und sie lässt sich zentral einsehen.

7. Intuitiv und spontan: Jedoch nicht im komplexen Change Prozess

Ein kleinerer Workshop, Coaching oder auch Seminar können mal spontan und intuitive moderiert werden. Anders ist es im Change Prozess. Hier ist die Frage, was ist das Big Picture? Wo soll es hingehen? Wie kommt man dahin? Welche Ergebnisse müssen geliefert werden? Es braucht einen Plan, eine Change Management Strategie. Zielsetzung, Meilensteine, Zeitpläne, Verantwortlichkeiten sind nur einige Teile einer Change Management Strategie.

Eine Change Management Strategie sorgt für den Überblick über den gesamten Change Prozess und den Fokus auf das Ziel. Jeder weiß zur selben Zeit, was dran ist, was in den Meilensteinen erreicht wurde und wie die Ergebnisse in den nächsten Schritt des Change Prozesses einfließen.

8. Der Projektleiter: Welche Persönlichkeit passt?

Wohl eine der entscheidendsten Personen im Change Prozess ist der Projektleiter. Er hält alle Fäden zusammen. Er weiß um alle Aktivitäten, vermittelt zwischen den Stakeholdern, plant und führt die Change Aktivitäten durch. Ein Projektleiter analysiert die Ergebnisse und gibt Empfehlungen an die Führungsspitze. Ohne Projektleiter, würden viele Personen gleichzeitig im Change Prozesses auf unterschiedliche Weise aktiv sein. Die Folge wäre Verwirrung, Ärgernis, Mehraufwand und schließlich Versanden bzw. Abbruch des Change Prozesses.

Klarheit, strukturelles und analytisches Denken, Empathie und Kommunikationsfähigkeiten gehören sicher zur Persönlichkeit eines Projektleiters. Er ist gut im Unternehmen vernetzt und akzeptiert. Kennt Strukturen, Vorgehen, Normen, ungeschriebene Gesetze und Verhaltensmuster im Unternehmen. Weiß um Hürden und Ängste und kennt sich mit dem Thema Change Management bzw. Projektmanagement aus.

9. Ein Ende muss her!

Per Definition hat ein Projekt ein Ende, doch nicht ein Prozess. Wenngleich ein Change Prozess ein fließender Ablauf ist, der strukturiert in den Alltag überführt wird, braucht er dennoch ein formuliertes Ende. Die Beteiligten brauchen die Sicherheit, dass ihr Bemühen einen zeitlichen Rahmen hat. Keiner möchte sich anstrengen und dabei womöglich an die eigenen Grenzen gehen, wenn er nicht weiß, wie lange dieser Zustand anhält. Auch für eine valide Ergebnisevaluation braucht es einen Zeitpunkt. Ist das Ziel des Prozesses erreicht? Haben sich die Mühen gelohnt? Hat man erreicht, wofür man hart gearbeitet hat? 

10. Der Change Manager – Loyal zum Prozess, nicht aber zur Führungsspitze

Zu leicht gerät man ins Spiel der Ziele und Mächte von Stakeholder, Auftraggeber, Führung und Mitarbeiter. Als Change Manager fühlt man sich dem Auftraggeber bzw. dem eigenen Chef verbunden. Wie ist es jedoch, wenn man am eigenen Chef vorbei im Rahmen des Projektes mit dem Vorstand sprechen muss und das Ergebnis sich schließlich auf den eigenen Chef auswirkt? Wenn man als Change Manager mit der eigenen Ethik und den eigenen Werten konfrontiert ist oder auch, wenn die Angst, Fehler zu machen, Überhand nimmt?

Im Change Prozess gilt immer der Satz: Was ist im Sinne des Prozesses? Nicht was ist vorteilhaft für einzelne Zielgruppen, dem Auftraggeber oder sogar einem selbst. Die Distanz zum Prozess zu wahren, immer den Blick für alle Perspektiven zu haben, sich loyal zum Prozess zu verhalten – manchmal vielleicht gegen die eigenen persönlichen Anliegen – kann eine große Herausforderung für den Change Manager sein. Das braucht eine starke Persönlichkeit.

 

Dankbar und mit herzlichen Grüßen
Ihre
Carole Maleh

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