Die Angst bestimmt das Denken und Handeln einer jeden Person. Sie leitet Menschen in Führungspositionen bei unternehmerischen Entscheidungen. Sie hat Einfluss auf Systeme, Prozesse und Strukturen der Unternehmen. Sie beeinflusst den Umgang im Unternehmen und ist Maßstab für den Einsatz der Menschen für das Unternehmen.

Jeder Moment im Change Prozess wird von dem Gefühl der Angst begleitet. Angst beim Kunden, bei den Beteiligten und auch beim Change Management Berater. Die Angst ist überall und sie ist menschlich. Viele Menschen erleben die Angst in Unternehmen bewusst, doch wird darüber kaum geredet. In den meisten Unternehmen ist sie ein Tabu-Thema. Daher nennt man sie lieber Befürchtung, Sorge oder Annahme. Und wenn man über sie sprechen möchte, dass eher in Form von Kritik oder Argumenten.

Da die Angst allgegenwärtig ist, ob man möchte oder nicht, ist es für erfolgreiche Change Prozesse wichtig, sie in den Prozess einzubeziehen.

Die ständige Angst im Change Prozess

1. Den „richtigen“ Zeitpunkt für den Change Prozess wählen

Es beginnt schon beim Erstkontakt zwischen Kunde und Change Management Berater. Schon hier geht es darum, den richtigen Zeitpunkt für den Change Prozess zu wählen. Wann erreicht man die größte Wirksamkeit? Welche anderen Projekte und Anliegen könnten zeitlich einengen, wie z. B. internationale Prüfungen, Produktionsgänge, Vertriebsaktionen, generelle Projektüberforderung, Urlaube und Krankheiten?

Die Zeit drängt, besteht doch die Annahme, dass ein „falsch“ gewählter Zeitpunkt die Wirksamkeit des Change Prozesses minimieren könnte.

2. Den „richtigen“ Projektmanager für den Change Prozess auswählen

Für die interne Begleitung des Change Prozesses soll ein Projektmanager gefunden werden. Dieser arbeitet Hand in Hand mit der externen Change Management Beratung. Er ist verantwortlich für die Koordination aller Change Maßnahmen und Beteiligten. Er informiert, überzeugt und führt individuelle Gespräche mit Schlüsselpersonen.

Gemeinsam mit der externen Beratung werden die Prozessschritte entwickelt und ausgeführt. Er steht darüber hinaus als interner Ansprechpartner zur Verfügung.

Für den Erfolg des Change Prozesses hat der Projektmanager (gefühlt) große Verantwortung. Hier besteht daher oft die Sorge, wer für diese Verantwortung die entsprechende Legitimation, Vernetzung, Kompetenz und den entsprechenden Einfluss hat, denkt man doch, dass eine „falsche“ Auswahl der Person zum Schaden des Change Prozesses sein könnte.

Darüber hinaus sorgt sich die auserwählte Person darum, wie sie wohl dieses Projekt meistern wird. Hängt an ihr (gefühlt) nicht nur der Erfolg des Change Prozesses, sondern auch der eigene Ruf und womöglich der nächste Karriereschritt ab.

3. Den „richtigen“ Weg im Change Prozess wählen

Von Beginn an zeigt sich die Angst, ob man den „richtigen Weg“ für den Change Prozess gewählt hat, das richtige Vorgehen, die richtigen Methoden, die richtigen Themen, um den erhofften Erfolg zu erreichen. Gleichzeitig besteht der Druck von Terminenge, Projektüberforderung und Überlastung. Druck von außen und von innen. Auch hier besteht die Annahme, dass ein „falsch“ ausgewählter Weg zum Scheitern des Prozesses führen könnte.

4. Das „richtige“ Maß an Input – Output finden

In der Regel führt jeder größere Change Prozess zu Änderungen in Abläufen, in der Struktur, Kommunikation, in Verantwortlichkeiten und Aufgaben. Man muss sich auf die Neuerungen einlassen, neues erlernen und sich darauf einstellen/ sich anpassen. Man hat mit anderen Menschen zu tun, vielleicht sogar in anderen Räumen. Liebgewonnenes und manchmal hart erarbeitetes geht womöglich verloren.

Die Angst kann hier paralysierend sein. Fragen kommen auf zu Sinnhaftigkeit, Vorgehen und vermuteten Ergebnissen des Change Prozesses. Jeder will Klarheit, Prognosen und sogar Garantien. War der Aufwand das Ergebnis wert? Hoffnung und Enttäuschung liegen dabei nahe beieinander.

5. Die Beraterangst, „richtig“ zu beraten

Gleichzeitig zu der Angst beim Kunden und den Beteiligten im Change Prozess, beschäftigt den Change Management Berater eine andere Angst. Ob bewusst oder unbewusst erlebt, geht es beim Berater häufig darum, den passenden Vorschlag zu machen, zur richtigen Situation eine Empfehlung abzugeben, das erhoffte Ergebnis zu erreichen, kompetent rüberzukommen, einen guten Ruf zu erlangen, eine positive Referenz zu bekommen, den Kunden zufrieden zu stellen, anerkannt und gemocht zu werden und vieles mehr. Wie der Kunde geht auch der Berater durch seine Angstspiralen.

Raus aus der Angstspirale: Klarheit – Einbindung – Orientierung

1. Angstmuster erkennen und voneinander abgrenzen

Zu schnell ist man als Change Management Berater in den Angstmustern des Kunden verheddert. Man glaubt, dass geäußerte Sorgen, Befürchtungen und der Druck, der auf den Prozess gemacht wird, alle gleichermaßen befriedigt werden müssten. Dass jede Sorge den Erfolg des Prozesses gefährdet. Schnell stimmt man Vorsichtsmaßnahmen zu, wird in seinen Empfehlungen vorsichtiger und entwickelt plötzlich ähnliche Befürchtungen wie der Kunde – fern der eigenen Erfahrung.

Hier gilt es, zu erkennen, dass dies die Ängste aus dem System sind. Das bedeutet nicht, dass sie unwichtig sind. Im Gegenteil. Sie müssen gehört und betrachtet werden. Wichtig ist, die Prozessziele im Fokus zu haben und die Sorgen und Befürchtungen sachlich und distanziert zu betrachten. Empfehlungen sollten nicht vorschnell (und aus Angstmotiven heraus) ausgesprochen, sondern bedacht und ggf. mit der Zielgruppe vorher abgestimmt werden. Einen kühlen Kopf behalten, ist hier die Devise.

Darüber hinaus ist es wichtig, dass der Berater seine eigenen Ängste erkennt und diese von denen des Kunden unterscheiden kann. Denn in seiner Beratung sollte er immer im Prozessinteresse und nicht aus seinen persönlichen Ängsten heraus agieren.

2. Anteilnahme und Wertschätzung für die Ängste der Beteiligten

Alle Beteiligten haben ihre individuellen Ängste. Die der Mitarbeiter und Führungskräfte unterscheiden sich. Die der verschiedenen Führungsebenen ebenfalls. Bereiche und Funktionen sind ebenfalls geplagt mit anderen Sorgen. Alle Beteiligten haben eine Berechtigung auf ihre Ängste und jede Angst ist berechtigt. Daher ist es wichtig, dass sie sich alle mit ihren Anliegen und Befürchtungen gehört und wertgeschätzt fühlen. Erst dann werden sie sich dem Change Prozess gegenüber öffnen.

Der Change Management Berater findet daher einen Weg, alle Befürchtungen aufzunehmen, zu verdichten und in Handlungen einzubetten, wenn dies von allen als nötig empfunden wird. Eine Offenlegung der unterschiedlichen Ängste ist darüber hinaus wichtig, damit die unterschiedlichen Zielgruppen erkennen, welche Befürchtungen im System blockierend wirken. Hierbei gilt für den Change Management Berater, respektvoll mit den Anliegen der Beteiligten umzugehen.

3. Sicherheit durch Orientierung

Zu jeder Zeit im Change Prozess braucht der Kunde die Sicherheit, dass das Ziel fokussiert ist. Das Vorgehen, die Maßnahmen und Zwischenergebnisse sollten jederzeit dem Ziel des Change Prozesses dienen. Der Kunde will wissen, wo der Prozess steht, was erreicht wurde, wie erfolgreich man gerade ist, was auf einen zukommt und was er zu erwarten hat. So unsicher ein Change Prozess auch ist, der Kunde und alle Beteiligten fühlen sich durch eine klare Führung des Prozesses gut orientiert und haben das Gefühl, dass der Prozess noch in ihrer Hand liegt. Eine zielgruppengerechte Kommunikation ist daher hier sehr wichtig.

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