Er hat noch nie eine große Gruppe moderiert und noch nie mit so vielen Mitarbeitern interaktiv gearbeitet. Vorträge vor Hunderten von Menschen zu halten, ist ihm bekannt. Eine große Anzahl von Menschen allerdings durch einen gemeinsamen Arbeitsprozess zu führen, war ihm bisher fremd. Doch er möchte es wagen, denn ihm ist eines wichtig: Er will erreichen, dass alle seine Mitarbeiter gemeinsam in Bewegung kommen für das, was auf das Unternehmen zukommen wird. Miteinander ins Gespräch zu kommen, ein gemeinsames Bild von der Situation zu erhalten, Perspektiven auszutauschen, Lösungsansätze zu finden und auch gemeinsam zu entscheiden, das ist seine Vision.

Mit dieser Führungshaltung und auch mit der Großgruppenkonferenz will er als Leiter des Unternehmens ein Zeichen setzen. Er will zeigen, dass Führung und Unternehmensentwicklung gemeinsam mit Mitarbeitern und Führungskräften erfolgen kann.

Die Rede ist von einem Geschäftsführer eines Großunternehmens der Verkehrsindustrie. 800 Mitarbeiter und Führungskräfte will er ab 2020 in eine neues Jahrzehnt führen. Das Unternehmen steht vor einer Wende. Es muss sich international anders aufstellen, sich den Anforderungen seines Hauptkunden intensiv widmen und das Thema Digitalisierung vorantreiben. Und vor allem – so meint er – braucht es eine Führungskultur, die dies mitträgt.

Mit der Großgruppenkonferenz will er den Vorsprung wagen. Die Entscheider des Unternehmens, über 50 Personen, kommen über mehrere Tage zusammen. Mit dieser Führungstagung will er es anders machen, als die Jahre zuvor. Statt Vorträge wird es Gruppenarbeit geben. Jede Führungskraft wird sich aktiv einbringen müssen und das Ergebnis dieser Tagung wird in der Gesamtverantwortung aller liegen.

Unsere Zusammenarbeit ist der Anlass dieses Beitrages und die Zusammenstellung dieses Mini-Toolkits. Denn ich bin überzeugt davon, dass es relativ leicht sein kann, mit vielen Menschen gleichzeitig interaktiv, fokussiert und lösungsorientiert zu arbeiten, wenn man nur weiß, wie. Dieses Mini-Toolkit soll eine Einladung dazu sein, das eine oder andere auszuprobieren.

Das Mini-Toolkit für die Arbeit mit großen Gruppen

Die Struktur auf Großgruppenkonferenzen

  1. Alle Teilnehmer arbeiten in einem Raum.
  2. Die große Gruppe wird in viele Kleingruppen geteilt.
  3. Jede Gruppe besteht aus 6 – 8 Personen.
  4. Die Kleingruppen sind heterogen bzw. homogen besetzt, je nach Zielsetzung der Aufgabe.
  5. Für jeden Arbeitsschritt gibt es ein (selbsterklärendes) Arbeitsblatt.
  6. Die vier Rollen Moderator, Sprecher, Zeitnehmer und Schreiber werden für jede neue Gruppenarbeit besetzt.
  7. Eine definierte Zeitvorgabe bestimmt das Tempo der Arbeitsschritte.
  8. Material, wie Flipchart, Moderationsstifte etc. liegt in jeder Kleingruppe.

Das Vorgehen auf Großgruppenkonferenzen

  1. Der Kreislauf von 1. Input im Plenum, 2. Eigenständiges Arbeiten in den Kleingruppen und 3. Präsentation der Ergebnisse im Plenum wiederholt sich mehrfach in der Großgruppenkonferenz.
  2. Die Großgruppenmoderation führt von einem Arbeitsschritt in den nächsten, interveniert sonst jedoch nicht in die Kleingruppenarbeit.
  3. Die Kleingruppen arbeiten eigenständig. Die Arbeitsblätter führen durch die Inhalte und das Vorgehen.
  4. Die Ergebnisse jeder Gruppe werden im Plenum auf unterschiedliche Art präsentiert und verdichtet.
  5. Entscheidungsprozesse erfolgen in den Kleingruppen, wie auch gemeinsam im Plenum.

So leicht es für den einen oder anderen auch sein kann, eine große Gruppe durch einen Arbeitsprozess zu führen, möchte ich dennoch darauf hinweisen, dass dies auch mit einer Verantwortung einher geht. Die Teilnehmer bringen sich mit ihren Anliegen und ihrem Engagement ein. Dies sollte m. E. auf jeden Fall auf der Veranstaltung aber auch danach durch eine Umsetzung der Ergebnisse und weiteren gemeinsamen Arbeit gewürdigt werden.

Die Arbeit mit großen Gruppen kann einen wesentlichen Beitrag dafür leisten, dass Mitarbeiter und Führungskräfte in einen Arbeitsprozess kommen, der weit über das „Wir-Reden-Mal-Zusammen“ geht. Aus den unterschiedlichen Perspektiven der Akteure entstehen fundierte Ergebnisse, die gemeinsam getragen werden und in eine kooperative Umsetzung münden können – auf Augenhöhe und in gemeinsamer Verantwortung.

Dankbar und mit herzlichen Grüßen
Ihre
Carole Maleh

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