Auszeit nach 15 Jahren Unternehmensführung, Führungskraft und Beraterin

Wir führten ein Beratungsinstitut. Unsere Kunden waren in der Regel Großunternehmen. Wir wurden engagiert, wenn es um große Change Prozesse ging. Konzeption, Durchführung, Umsetzung war unser Beratungsgeschäft.

Dann nach 15 Jahren: Eine Aussage, die mich traf!

Sie würden weiter mit mir als Unternehmensleitung und Führungskraft gehen, wäre ich nur mehr in meiner „Stärke“. Diese Aussage meiner Mitarbeiter traf mich sehr, war ich doch als Gründerin und Senior Change Management Beraterin mit dem Unternehmen „verwachsen“. Doch gleichzeitig sagten meine Mitarbeiter die Wahrheit.

Nach 15 Jahren Unternehmensaufbau, Führungstätigkeit, Beratungsarbeit und Autorenschaft war ich müde und kraftlos. Ich brauchte eine Auszeit. Doch erst die Aussage meiner Mitarbeiter machte mir dies bewusst.

Unser Unternehmen stand vor der nächsten Entwicklungsstufe. Der geplante interne Wandel würde ohne Frage Intensität und Kraft kosten. Ich hatte jedoch nicht genügend Kraft für dieses Projekt.

So kündigte ich meine Mitarbeiter und verabschiedete meine Berater

Die Kunden wurden auf eine Pause von einem Jahr vorbereitet. Die Räume wurden gekündigt und die Möbel eingelagert. Es folgten Abschlussgespräche mit den Change Management Beratern meines Instituts. Wir legten alles nieder, für ein Jahr, so war die Planung. Was danach käme, wo und mit wem, war offen.

Unsere Unternehmenskultur: Wahrhaftigkeit, Offenheit, Verantwortung

Was ist passiert? Wie kam es, dass meine Mitarbeiter mir diese Empfehlung aussprachen trotz der Konsequenz, dass sie ihren Arbeitsplatz verlieren würden? Welche Unternehmenskultur lag dem zugrunde?

Wahrhaftigkeit, Offenheit, Verantwortung und Transparenz waren unsere Werte. Diese dienten unserem Anspruch nach hoher Leistungsfähigkeit, Spitzenniveau und intensiver Kundenbindung. Unsere Devise war, „was wir dem Kunden bieten, das sollten wir auch im Unternehmen selbst leben.“

Vorbild sein: Gemeinsam gestalten, Zugehörigkeit und Leistungsfähigkeit

Unser Kerngeschäft war die Konzeption, Durchführung und Umsetzung komplexer Change Prozesse. Die Basis dafür war die Beteiligung der Mitarbeiter. Für uns galt: Was der Kunde von uns erhält, muss er bei uns im Unternehmen auch vorfinden können. Wir wollten selbst erleben, was es bedeutet, wenn wir gemeinsam gestalten, uns zugehörig fühlen und gleichzeitig das Geschäft im Vordergrund steht. Wir wollten nicht nur sagen, dass es sich lohnt, Mitarbeiter einzubinden und eine Unternehmenskultur der Freude und gleichzeitig des Wachstums zu schaffen. Wir wollten genau diese Unternehmenskultur gestalten, erleben und davon wirklich überzeugt sein.

Unser Vorgehen: Wie gestalteten wir unsere Unternehmenskultur?

  1. Ziele, Strategie, Werte, Leitlinien, Prinzipien und Vorgehensweisen wurden gemeinsam entwickelt. In regelmäßigen Abständen ermittelten wir gemeinsam unseren Status-Quo und vereinbarten nächste Schritte. Für die Umsetzung unserer Entscheidungen waren alle zuständig. Jeder hatte dafür sein eigenes Arbeitspaket.
  2. Die Regelkommunikation war vereinbart, unsere Besprechungen standardisiert und für jeden Termin hatten wir abwechselnde Moderatoren.
  3. Unsere unterschiedlichen Aufgaben und Rollen waren gemeinsam definiert. Jeder Mitarbeiter hatte sein eigenes Königreich mit Zielvereinbarungen und Handlungsspielräumen.
  4. Prozesse und Projektarbeit, wie auch die Kommunikation nach außen wurde gemeinsam standardisiert. Jeder hielt sich daran. Und dennoch war jeder von uns darauf bedacht, Abläufe zu optimieren.
  5. Weiterbildung und Seminare für die persönliche Entwicklung wurden regelmäßig individuell und mit dem gesamten Team durchgeführt.
  6. Jeder hatte Kundenkontakt und war dadurch auch dafür verantwortlich, dass der Kunde mit uns zufrieden ist.
  7. Es gab Gleitzeit, freie Pausengestaltung, einen Ruheraum, Freigetränke und Snacks. Jeder sollte das Gefühl von „Umsorgt-sein“ haben.

Unsere Persönlichkeiten: Was hat uns ausgemacht?

  1. Wir legten Wert auf Eigenständigkeit. Zur gleichen Zeit allerdings wollten wir gemeinsam unser Umfeld gestalten. Uns war an Verbindung und Gemeinsam-Erfolgreich-Sein gelegen.
  2. Wir sahen das Unternehmen als ein Teil unseres Lebens. Wir unterschieden nicht zwischen Arbeit und Leben. Denn die meiste Zeit verbrachten wir unter Kollegen, statt in Familie und mit dem Partner. Daher war uns wichtig, ein Umfeld zu schaffen, in dem wir uns mit unserer Persönlichkeit wirklich zeigen konnten. All unsere individuellen Stärken, Schwächen, Vorlieben, Bedürfnissen, Problemen, Stimmungen und Anliegen sollten gehört und gesehen werden.
  3. Wir strebten alle nach Höchstleitung, waren sehr genau, brauchten Freiraum für Inspiration und Kreativität, wollten Neues ausprobieren und waren risikobereit.

Fazit: Eine Unternehmenskultur mit unerwarteten positiven Folgen

Obgleich wir in unserem Beratungsinstitut eine Unternehmenskultur erreicht haben, die wir uns gewünscht hatten – eine Kultur der Freude und gleichzeitig hochklassigen Beratungsleistung, kam es jedoch zu dem Moment, dass mir empfohlen wurde, mich für einige Zeit aus dem Unternehmen zurückzuziehen.

Gerade, weil wir diese Unternehmenskultur lebten, kam es zu dieser Empfehlung. Sie war die Basis für diese offene und richtungsweisende Empfehlung.

Nach dem einen Jahr Pause wurde alles anders als erwartet. Wir kamen nicht mehr zusammen. Jeder ging seinen eigenen Weg. Und dennoch entwickelte sich dieser gemeinsame Schritt zu einer positiven Entwicklung für jeden von uns!

Dankbar und mit herzlichen Grüßen
Ihre
Carole Maleh

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