Grelles Licht und 600 Augenpaare. Eine Mitarbeiterin geht auf die Bühne. Sie wird gleich über die Ergebnisse ihres Workshops berichten. Es ist das Finale der Konferenz. Der Zeitpunkt, wenn Ergebnisse zusammengefasst und gewürdigt werden und es darum geht, sich verbindlich zum weiteren Vorgehen zu äußern. Eigentlich wollte sie nicht auf die Bühne. Zu viele Menschen, sagt sie. Lock-, Verführ- und Überredungskünste von Kollegen und ihrer Führungskraft zeigen jedoch Wirkung.

Und dort, inmitten des gleißenden Lichtes legt sie eine Glanzleistung ab. Ihre anfängliche und für alle sichtbare Schüchternheit wandelt sich. Nicht nur, dass sie ein klares Bild über die Ergebnisse des Workshops vermittelt. Ihre Worte und ihre Art sprechen voller Emotionen über das Erlebte. Ihre Begeisterung über die Ergebnisse, ihr Stolz, Einsatz und ihr Appell, dass es mit den Ergebnissen nun seitens aller weitergehen muss, sind im ganzen Raum spürbar. Sie wird belohnt: Der Applaus ist groß.

Ein berührender Moment im Großgruppen-Alltag

Diese Momente berühren mich sehr. Menschen, die zuvor noch nie ein Mikrophon in der Hand hielten, im Alltag kaum oder gar nicht vor Menschen sprechen, stehen plötzlich auf der Bühne und setzen sich für ihre Ergebnisse und dessen Weiterführung ein. Wenngleich dies eine besondere Situation in einer Großgruppenkonferenz war, ist es dennoch normal, dass ungeübte Redner vor der ganzen Teilnehmerschaft sprechen – überzeugend und informativ, ob vor 100 oder 600 Personen.

Die wichtige Rolle des Sprechers und die „strikten“ Bedingung für die Präsentation

Auf jeder Großgruppenkonferenz gibt es eine Vielzahl von Gruppenarbeit. Fast jeder Teilenehmer ist mal in der Situation, die Ergebnisse der eigenen Gruppe vor dem Plenum zu präsentieren. Denn für jeden Arbeitsschritt werden vier Rollen verteilt, damit fokussiert und zielorientiert gearbeitet werden kann. So moderieren sich die Gruppen, achten gemeinsam auf die Zeit, dokumentieren ihre Ergebnisse und präsentieren schließlich ihr Ergebnis. Die Präsentation liegt in der Verantwortung des Sprechers. Man rotiert und so ist jeder mal an der Reihe.

Die Präsentation erfolgt unter klaren Rahmenbedingungen. Es gibt ein Zeitlimit und Hinweise, was genau präsentiert werden soll. Ist die Zeit überschritten, wird freundlich doch bestimmt abgebrochen. Diese Struktur sichert, dass das Wesentliche für alle im Raum sichtbar wird und sich dies in einem angemessenen Zeitlimit bewegt, sodass alle Präsentationen die notwendige Aufmerksamkeit erhalten. Dies ist wichtig, denn jedes Ergebnis fließt in den nächsten Arbeitsschritt ein.

Keine leichte Aufgabe für den ungeübten Sprecher. Darüber hinaus hat fast jeder Redner das erste Mal ein Mikrophon in der Hand. Dies scheint die größte Hürde für die Teilnehmer zu sein. Die meisten Teilnehmer probieren erst aus, wie sie am besten in ein Mikrophon sprechen.

Und dennoch, trotz der Anzahl der Zuhörer, dem Druck, die Ergebnisse klar und nach Vorgaben zu präsentieren, präsentiert jeder Sprecher – ungeachtet wie groß die Zuhörerschaft ist. In den 22 Jahren, in denen ich Großgruppenkonferenzen moderiere, habe ich noch nie erlebt, dass sich jemand geweigert hat. Auch, wenn jeder dabei nervös ist, zeigt sich dennoch, dass unabhängig der Position oder Aufgabe, für die jemand im Unternehmen verantwortlich ist, am Ende präsentieren sie alle ihre Ergebnisse vor großem Publikum.

Was macht es möglich? Was scheint wichtig?

Doch was ist es, dass den Teilenehmern in einer solchen Veranstaltung die Kraft gibt, vor so vielen Menschen zu reden? Die eigene Überzeugung über die Ergebnisse, der Gruppenzusammenhalt oder Gruppendruck, die klaren Anweisungen für die Präsentation, eine motivierende Anmoderation? Vielleicht eine Mischung aus allem und sicherlich noch vieles anderes mehr.

Das wichtige scheint nach meiner Beobachtung zu sein, dass eine Struktur und Stimmung herrschen, die es den Menschen erlaubt, sich zu zeigen. Sich als ein Teil des Gesamten zu verstehen und zu erkennen, welchen Beitrag sie gerade mit ihrer Präsentation für den Gesamterfolg der Konferenz leisten. Für mich als Großgruppenmoderatorin gilt es darüber hinaus, mein Bestes zu tun, um eine Atmosphäre von Vertrauen zu unterstützen, so dass sich die Sprecher in jeder Situation angenommen und wertgeschätzt fühlen.

Dankbar und mit herzlichen Grüßen
Ihre
Carole Maleh

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